Ebru Kunst

“Ebru”, ist eine Kunst, die die türkischen Völker aus Mittelasien, genannt  “Horosan”, in die Türkei gebracht haben. Die Ebru-Malerei ist die Kunst und Technik des Malens auf dem Wasser. 

Es ist bekannt, dass die sich Uiguren mit der Buchbinderei beschäftigten und dabei Ebru-Papier in der Buchbinderei einsetzten. Ursprünglich wurde diese Technik des Malens auf dem Wasser in der tschagataischen Sprache, eine osttürkische Literatursprache, als „Ebre“ (Wolke) bezeichnet. Genau lässt sich nicht sagen, wann Ebru entstanden ist, aber viele Studien zeigen uns, dass die Kunst im 6. Jahrhundert entstanden ist. Das älteste Ebru-Werk, das bis heute erhalten ist,  stammt aus dem Jahr 1447 und befindet sich im Topkapi Museum in Istanbul. Aus dem Jahre 1539 stammen die Schreibpapiere des Kaligraphen Mir Ali aus Herat, der für seine Kaligraphien in blau gefärbte Ebru-Papiere benutzte.

Einer der bekanntesten Marmorierer, türkisch genannt „ebruzer“, dieser Zeit ist Sebek Mehmed Efendi, der in der zweiten Hälfte des 16. Jahrhunderts in Istanbul lebte. Seine mit der Jahreszahl 1595 datierten Blätter belegen seine weit entwickelten Marmorier-Kenntnisse. Im Jahre 1608 veröffentliche er ein Buch mit dem Namen „Tertib-i Risalei Ebri“, ein Ebru-Fachbuch mit Rezepten und Anleitungen sowie weiteren sehr interessanten Angaben. So erfahren wir, wie die Marmorierer damals mit Zitronensaft, Säften von Feigen- und Tabakblättern, Honig, Eiern und Safran experimentierten. Zur Herstellung des Marmoriergrundes benutzt man heute wie damals Tragant-Gummi. In einer Kultur, in der Wissen und Erfahrung mündlich überliefert werden, fehlen oft schriftliche Quellen. Daher sind solche alten Rezepte für uns von großer Bedeutung. Zum Färben benutzte man Farbstoffe auf pflanzlicher und mineralischer Herkunft wie Mandel- und Quittenblätter, Klatschrose, Walnuss- und Granatapfelschale, Henna, Tee, Irisblüte, Schwefelarsenik, Lapislazuli, Farbholz und Safran. Leider sind uns manche Stoffe aus damaliger Zeit, auch wenn wir ihre Namen wissen, heute nicht mehr bekannt.

Das 16. Jahrhundert war wirtschaftlich und politisch der Höhepunkt des Osmanischen Reiches, und es war auch ein goldenes Zeitalter für die Künste und besonders für die Buchkünste. Zahlreiche Buntpapiersorten stammen aus dieser Zeit. Das Papierfärben hat im Orient eine lange Tradition. Für Schriften mit hoher Langlebigkeit und ständiger Beanspruchung benötigte man ein pflegeleichtes Papier, das das Auge nicht ermüdete.

Ebru-Papier ist im Orient in erster Linie als Schreibuntergrund benutzt worden. Für diesen Zweck marmorierte Papiere bezeichnete man als "hafif ebrulu" (schwach marmoriertes Papier). Auch als Vorsatz- und Überzugspapier fand es Verwendung. Nicht selten trifft man in Handschriften auf Blumenformen oder Hatip-Muster des 18. Jahrhunderts.' In der Türkei wird heute noch wie in damaliger Zeit Ebru-Papier als Schriftspiegel für Kaligraphien und Miniaturen eingesetzt. In den orientalischen Einbänden verwendeten die Buchbinder Ebru-Papierreste als Falz. Häufig wurde es auch als Grundlage für Dokumente verwendet, die durch die einzigartige Marmorstruktur als fälschungssicher galten. Diese Verwendung zur Fälschungssicherheit spiegelt sich heute in Geldnoten, Checks und Vertragsdokumenten wider.   

Anfang des 17. Jahrhunderts gelangte auch das Herstellungsverfahren des "Türkischen Papiers" nach Europa. Erste Hinweise finden wir im Nachlass von Daniel Schwenter, der 1636 starb. Sein Marmorier-Rezept wurde im Jahre 1651 von Georg Philipp Harsdörffer veröffentlicht.